Benzinpreise klettern in die Höhe – das kommt auf Sie zu
An den Zapfsäulen im Sarganserland wird der Treibstoff teurer. Der Grund: Der Iran-Krieg treibt die Rohölpreise in die Höhe. Was das für hiesige Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet.
Tausende Kilometer vom Sarganserland entfernt fallen Bomben, die den Nahen Osten (erneut) ins Chaos stürzen (Link). Durch die israelisch-amerikanischen Luftschläge seit Ende Februar und die Gegenreaktionen des Iran rücken auch hier die Treibstoffpreise wieder stärker in den Fokus. Der Rohölpreis liegt zurzeit (Stand: 9. März) bei rund 103 Dollar je Barrel und ist damit auf dem höchsten Stand seit Juli 2022.
Folglich schnellen die Treibstoffpreise an den Tankstellen im Sarganserland in die Höhe. Erfahren Sie, was Sie in den kommenden Wochen erwartet und wie sich die Preise im Sarganserland mit denen anderer Regionen vergleichen lassen.
Wie wird sich der Benzinpreis
in der Region entwickeln?
Niklaus Hobi, Geschäftsführer von Landi Sarganserland und somit auch für die regionalen Agrola-Tankstellen zuständig, sieht keinen Grund zur Sorge. «Die Treibstoffpreise werden sicherlich kurzzeitig steigen. Langfristig werden sie sich jedoch wieder entspannen.» Das hätten Erfahrungen aus der Zeit des Irak-Kriegs oder des Kriegs in Afghanistan gezeigt. Laut Experten des Interessenvertreters der Treibstoffimporteure, Avenergy Suisse, könnte der Liter Benzin bald zwei Franken kosten (Ausgabe vom 6. März, Link). Der Preishöhepunkt könnte erst in den kommenden Wochen erreicht werden. In der chaotischen Lage seien konkrete Prognosen aber wenig seriös.
Sollten die Treibstoffreserven den Preis nicht nach unten drücken?
Hobi verneint dies. Zwar sei ein Teil des Treibstoffs in den Tanklagern vor längerer Zeit zu einem niedrigeren Preis eingekauft worden. Die Schweiz müsse jedoch Pflichtlager für Treibstoffe und Heizöl bereithalten, um Versorungskrisen zu überbrücken. Tankstellenbetreiber seien gesetzlich dazu verpflichtet, diese Notreserven zu halten. Der Rest, somit die verfügbare Menge des Tanks, werde zu aktuellen Tagespreisen eingekauft und verkauft. «Alles, was rausgeht, muss auch wieder reinkommen», so Hobi. Der nachzukaufende Treibstoff sei schliesslich teurer. Deshalb würden Preiserhöhungen oft schnell an Kundinnen und Kunden weitergegeben.
Wie reagieren Autofahrerinnen und Autofahrer auf die steigenden Preise?
Die steigenden Preise seien auch am Konsumverhalten der Kunden erkennbar, so Hobi. Viele würden derzeit ihre Autos volltanken und sich mit Benzin eindecken. Er habe auch von Kunden gehört, dass diese in den nächsten Wochen besonders auf treibstoffsparendes Fahren achten würden. Einige erwarteten Treibstoffpreise wie zu Beginn des Ukrainekriegs, als bleifreies Benzin 95 vorübergehend mehr als 2,20 Franken pro Liter kostete. «Derzeit sind die Preise aber immer noch moderat im Vergleich zu dieser Zeit», so Hobi.
Zahle ich im Sarganserland mehr als in anderen Regionen der Schweiz?
Das Preisvergleichsportal Comparis.ch zeigt (Link): Die Treibstoffpreise im Sarganserland liegen etwas höher als der Durchschnitt. Dazu haben wir die günstigsten Angebote (Stand: 9. März) aus verschiedenen Regionen verglichen. Laut Comparis.ch liegt der niedrigste Preis für einen Liter Bleifrei 95 im Sarganserland bei 1,67 Franken. In St. Gallen liegt er bei 1,60 Franken. Im Raum Zürich kann man hingegen für 12 Rappen weniger tanken. Doch auch in anderen ländlichen Regionen sind die Preise meist um zwei bis drei Rappen niedriger. Generell gilt: Je mehr Tankstellen es in einer Region gibt, desto tiefer sind die Preise. In ländlichen Regionen können Anbieter oft höhere Preise verlangen, da der Konkurrenzdruck geringer ist.
Und warum zahle ich an den Tankstellen unterschiedliche Preise?
Auch das liege schlicht am Konkurrenzdruck, so Landi-Sarganserland-Geschäftsführer Hobi. Tankstellenbetreiber würden sich gegenseitig beobachten und ihre Preise an denen der Konkurrenz ausrichten. Dass kleinere Betreiber oft niedrigere Preise anbieten können, liege an ihren geringeren Betriebskosten (weniger Personal, günstigere Standorte) und auch an ihrer Marketingstrategie. Mit den niedrigeren Preisen würde gezielt eine bestimmte Kundengruppe angesprochen – ähnlich wie im Detailhandel mit Lidl oder Aldi.
Was hat der Iran-Krieg konkret
mit den Preiserhöhungen zu tun?
Der Nahe Osten spielt eine zentrale Rolle für die globale Ölversorgung. Sowohl Benzin als auch Diesel werden aus Rohöl hergestellt. Mit einem Anteil des Nahen Ostens von rund fünf Prozent an den europäischen Rohölimporten ist dieser zwar vergleichsweise gering. Deutlich schwerwiegender ist jedoch die Logistik, die durch den Nahen Osten führt. Ein Fünftel der weltweiten Menge geht durch die Strasse von Hormus (Link), die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Aufgrund des Iran-Kriegs ist der Schiffsverkehr dort fast gänzlich gestoppt. Der Iran nutzt dabei die Blockade der Meerenge als Druckmittel und droht, jedes Schiff in Brand zu setzen, das die Strasse von Hormus durchqueren will. Tatsächlich wurden bereits mehrere Tankerschiffe attackiert.