Nach Waffenklau: Startschuss
von Diebestour in Walenstadt?
Vier Einbrüche in zwei Wochen, bei denen Waffen im Mittelpunkt stehen: Im Kanton St. Gallenkönnte eine Diebesbande auf der Jagd nach Waffen sein. Eine besondere Rolle spielt dabei Walenstadt.
Kann es wirklich Zufall sein? In den letzten zwei Wochen wurde im Kanton St. Gallen in gleich drei Waffengeschäfte und eine Schiessanlage eingebrochen. Die Täterschaft hatte es jeweils nicht auf das Geld in den Ladenkassen abgesehen, sondern auf die Waffen selbst. Dabei wurden mehrere Handfeuerwaffen sowie Munition gestohlen. Auch der Kantonspolizei kommen die Ähnlichkeiten der Fälle suspekt vor – während sie weiterhin nach der Täterschaft sucht. Begonnen hat die mutmassliche Diebestour ausgerechnet in Walenstadt.
Was genau hat sich in
Walenstadt abgespielt?
Der Startschuss der mutmasslichen Diebestour fiel am Sonntag, 6. Juli. Kurz vor Mitternacht wurde der Kantonspolizei ein Einbruch in ein Waffengeschäft im Stadtner Industriegebiet gemeldet. Daraufhin rückte sie mit einer Ansammlung an Einsatzkräften zum Tatort aus. Wie Polizeisprecher Florian Schneider sagt, setzte man dabei auf eine grössere Anzahl an Einsatzkräften als üblich. Dies geht auf die damalige Möglichkeit zurück, dass die Täterschaft die Waffen gegen die Polizei einsetzen könnte. Zu einer heiklen Situation kam es jedoch nicht, da die Einbrecher das Waffengeschäft vor der Ankunft der Kantonspolizei verlassen konnten. Laut Schneider gelang es der Täterschaft, drei Handfeuerwaffen und Munition im Wert von rund 2000 Franken zu stehlen.
Wie ging es nach dem Einbruchin Walenstadt weiter?
Altstätten: Elf Tage später traf es ein weiteres Waffengeschäft, dieses Mal in Altstätten. Die Täterschaft – wenn es die gleiche war – ging beim Einbruch deutlich radikaler als in Walenstadt vor. Zuerst brach sie in der Nacht auf den Donnerstag, 17. Juli, in ein Garagenbetrieb ein. Dort wurden zwei Fahrzeugschlüssel zu einem schwarzen Audi A8 und einem weissen Mercedes-Benz GLC 300 gestohlen. Frühmorgens nutzte die Täterschaft den schwarzen Audi A8 als Rammfahrzeug und brach so in das Waffengeschäft ein. Daraufhin schlug sie zwei Vitrinen ein und stahl daraus mehr als zehn Handfeuerwaffen. Beide gestohlenen Fahrzeuge wurden zurückgelassen. Auch hier gelang es der Täterschaft, vor der Ankunft der Polizei zu flüchten.
Wittenbach: Anders als bei den anderen Einbrüchen handelt es sich beim dritten nicht um ein Waffengeschäft. In der Nacht auf Sonntag, 20. Juli, wurde nämlich in Wittenbach in eine Schiessanlage eingebrochen. Auch das Diebesgut unterscheidet sich von den anderen Fällen. So stahl die Täterschaft keine modernen, sondern mehrere antike Waffen. Was aber gleich verlief: Wieder gelang der Täterschaft die Flucht. Dabei liessen sie das sich in der Nähe der Schiessanlage befindende Waffengeschäft unversehrt.
Gossau: Der jüngste Einbruch ereignete sich in der Nacht auf Montag. Es war der wohl erfolgreichste Raub der mutmasslichen Diebesbande. Aus einem Waffengeschäft in Gossau stahl die Täterschaft gleich 14 Handfeuerwaffen. Der entstandene Schaden beläuft sich auf mehrere tausend Franken. Und zu guter Letzt: Auch beim vierten Einbruch verlief die Flucht erfolgreich.
Welche Erkenntnisse hat die
Kantonspolizei zur Täterschaft?
Der Kantonspolizei liegen noch zu wenige Erkenntnisse zur Täterschaft vor, wie Polizeisprecher Schneider sagt. Die ähnlichen Vorgänge und auch die Route deuten allerdings auf eine Diebesbande hin. Ein gesicherter Fakt ist das jedoch nicht. Laut Schneider konzentrieren sich die Ermittlungen der Kantonspolizei nun darauf, ob zwischen den einzelnen Fällen ein Zusammenhang besteht.
Besteht für dieBevölkerung
eine Gefahr?
Insgesamt wurden bei den Einbrüchen mindestens 27 Handfeuerwaffen, mehrere antike Waffen sowie Munition gestohlen. Was mit diesen Waffen geschieht, ist ungewiss. Der Kantonspolizei liegen keine konkreten Erkenntnisse zum Verbleib der Waffen vor, so Schneider. «Wir gehen aber trotzdem nicht von einer Gefahr für die Bevölkerung aus.» Dennoch sei es besonders wichtig, die Waffen zu beschlagnahmen und aus dem Verkehr zu ziehen.