Vergiften Windräder Wiesen mit PFAS?
Das sagen Experten 

Die Debatte um Windparkprojekte geht
nach dem Scheitern am Flumserberg weiter. Unter anderem auf Facebook kursieren Behauptungungen – etwa, dass Windräder
durch PFAS die umliegenden Wiesen vergiften. Experten ordnen ein.

 

Es sind zwei stark polarisierende Themen: PFAS und Windräder. Nun sollen ausgerechnet Letztere unsere Wiesen mit Ersterem vergiften – falls etwa auf Grot-Maton oder sonstwo im Kanton tatsächlich eines Tages Windräder stehen sollten. Zumindest wird dies von Windkraftgegnern behauptet und stösst unter anderem auf Facebook auf offene Ohren. Doch was steckt hinter dieser Befürchtung?

So gefährlich wie eine
Teflon-Bratpfanne 

Nichts, wenn man den Kanton fragt. Guido Berlinger-Bolt, Leiter Departementskommunikation, bestätigt auf Anfrage, dass Lackbeschichtungen von Rotorblättern und Schmiermittel der Windräder PFAS enthalten können. Diese Stoffe seien jedoch fest im Material eingebunden. Unter normalen Bedingungen würden sich diese nicht herauslösen, sodass keine Gefährdung für die Alpweiden bestehe. «Dies ist vergleichbar mit einer Teflon-Bratpfanne, die bei sachgemässer Nutzung ebenfalls nicht gesundheitsschädlich ist», so Berlinger-Bolt. 

Mit dieser Einschätzung steht der Kanton nicht allein da. Auch Profes-sor Martin Däscher vom Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik der Ostschweizer Fachhochschule (OST) sieht in Windrädern keine «PFAS-Schleudern». Vielmehr würden sich die Giftstoffe durch Verpackungen, Outdoor-Kleidung, Löschschaum bei Feuerwehrübungen, Klärschlamm oder Pestizide in der Umwelt verbreiten. «Windräder spielen dabei eine deutlich untergeordnete Rolle», so Däscher.

Keine PFAS-Belastung rund um
das Haldensteiner Windrad 

Bestätigt wird dies durch Untersuchungen, unter anderem durch die EU-Behörde European Chemicals Agency. Diese kam im Jahr 2020 zu dem Schluss, dass der Energiesektor in der Europäischen Union lediglich ein Promille aller PFAS-Emissionen ausstosse. Eine weitere Untersuchung führte die Bündner Regierung durch.

Wie die «Südostschweiz» berichtete (Link), hat diese zwölf Jahre nach Inbetriebnahme des Windrads in Haldenstein den umliegenden Boden auf PFAS-Belastungen untersucht. Dabei zeigte sich, dass ein Einfluss des Windrads auf die PFAS-Belastung des Bodens nicht erkenn- und nachweisbar sei. Im Kanton St. Gallen ist es bisher nicht zu solchen Untersuchungen gekommen. Das liegt schlicht daran, dass es hier noch keine Windräder gibt.

«Aufgrund der Einschätzung in der Fachwelt sind PFAS-Untersuchungen im Umfeld von Windrädern für uns aber auch nicht notwendig», so Guido Berlinger-Bolt. 

Was sind PFAS?
Und warum können
sie gefährlich sein?
 

PFAS sind eine Gruppe von künstlich hergestellten Stoffen, die seit Jahrzehnten in unzähligen Alltagsprodukten stecken. Sie machen Materialien wasser-, fett- und schmutzabweisend – etwa in beschichteten Pfannen, Regenjacken, Pizzakartons oder sogar in manchen Kosmetikartikeln. Das Problem: PFAS bauen sich in der Natur kaum ab. Sie bleiben jahrzehntelang in Boden, Wasser und sogar in unserem Körper – und das kann gefährlich werden. Studien deuten darauf hin, dass PFAS die Gesundheit belasten könnten. Sie stehen im Verdacht, das Risiko für Krebs, Hormonstörungen oder ein geschwächtes Immunsystem zu erhöhen. Besonders tückisch: Die Chemikalien gelangen über Trinkwasser, Nahrung oder Staub in unseren Organismus, ohne dass wir es merken. (lm)