Bauern trauern um Kartoffeln –
und was ist mit der Wirtschaft?

Vor der Volksabstimmung am 8. März hat die Mitte Sargans zur Debatte ins Oberstufenzentrum eingeladen. Das Ergebnis rund um die Vorlage Wil West: eine klare Spaltung. Auf der einen Seite die Bauern mit ihrer kritischen Stimme – während sich die Mitte, FDP und SP vehement für das geplante Wirtschaftsgebiet aussprechen.

Wil, eine Stadt am anderen Ende des Kantons. Was weit weg vom Sarganserland scheint, könnte mehr mit der Region zu tun haben, als man denkt. Das zeigte sich an der Podiumsdiskussion der Mitte Sargans zur kantonalen Volksabstimmung Wil West. Der Kanton St. Gallen möchte rund 12,3 Hektar Land an den Thurgau verkaufen, worauf ein Wirtschaftsgebiet mit mehr als 2000 neuen Arbeitsplätzen ermöglicht werden soll.

Einer gegen alle

Von den sechs Debattierenden im Oberstufenzentrum Sargans stellte sich dabei einer gegen alle. Symbolisch hierfür brachte Marco Gadient (SVP), Kantonsrat aus Flums und an diesem Abend Vertreter der Bauern, einen Kartoffelsack mit auf die Bühne. Seine Botschaft: Wer am 8. März für Wil West stimmt, stimme gegen die Landwirtschaft. Gadient argumentierte damit, dass mit der Verbauung dieses Landes grosse Fruchtfolgeflächen wegfallen, die besonders wichtig für die Ernährungssicherheit seien. Besser baue man dort Kartoffeln an, statt mit Industriehallen diese Möglichkeit für immer zu vernichten.

Für den Rest überwog jedoch der wirtschaftliche Nutzen. Hans Mäder (Mitte), als Stadtpräsident von Wil direkt vom Abstimmungsergebnis betroffen, relativierte Gadients Aussagen. Ja, diese Fruchtfolgeflächen gingen verloren. Doch sie würden vom Kanton auch kompensiert werden. Viel mehr sollte man doch den im Vergleich mit anderen Kantonen wirtschaftsschwachen Kanton St. Gallen stärken. Ständerat Benedikt Würth (Mitte) fügte hinzu, dass durch das geplante Wirtschafts-gebiet viele junge, gut ausgebildete St. Gallerinnen und St. Galler im Kanton bleiben würden, statt dass sie wegziehen.

Auch die Rolle der Bauern im Sarganserland kam zur Sprache. Thomas Warzinek (Mitte), Kantonsrat aus Mels, ärgerte sich über deren Verhalten. «Es kann doch nicht sein, dass Bauern aus dem Sarganserland den Bauern in Wil vorschreiben, was sie anpflanzen sollen.» Warzinek nahm dabei Bezug darauf, dass sich selbst die SVP Wil für das Vorhaben ausspricht.

Profitiert das Sarganserland?

Kantonsrat Gadient stellte hingegen den Nutzen für den Kanton infrage. Es gebe genug Flächen für die Industrie und man würde das Land dem Nachbarn ohnehin verschenken. Zwar würde der Kanton das Land für 20,3 Millionen Franken verkaufen, doch die künftigen Unternehmen auf dem Areal würden ihre Steuern im Kanton Thurgau zahlen.

Völlig anderer Meinung war Jens Jäger (FDP), Kantonsrat und Gemeindepräsident von Bad Ragaz. Wil brauche das geplante Wirtschaftsgebiet, um zu florieren. Und wenn es Wil gut gehe, dann gehe es auch dem Sarganserland gut. Kantonsrat Bernhard Hauser (SP, Sargans) verglich dabei Wil West mit dem Tiefriet in Sargans. Auch hier plant der Kanton ein Industriegebiet, das der Region einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen soll. Wer diesem Vorhaben zustimmt, sollte sich mit den Wilerinnen und Wilern solidarisieren können, so Hauser.

Auch Ständerat Würth, beheimatet in Rapperswil-Jona, nahm Bezug zum Sarganserland. Dabei kam er auf den Autobahnanschluss Wil West zu sprechen, der nur bei einer Realisierung des Wirtschaftsgebiets vom Bund bezahlt und gebaut wird. Wil hat seit Längerem mit einem ausufernden Verkehr zu kämpfen. Würth ist sich sicher, dass dieses Problem durch einen neuen Autobahnanschluss behoben werden kann. «Gerade im Sarganserland sollte man das verstehen. Suchen Sie mal eine Region im Kanton St. Gallen, die so gut erschlossen ist.» Lange habe man für das Sarganserland gekämpft und für neue Autobahnanschlüsse gesorgt. Jetzt sei auch mal eine andere Region dran.