Blauzungenkrankheit
ist unter Kontrolle – «dank Impfungen»
Den Alpsommer über sind in der Region keine Infektionen mit der Blauzungenkrankheit gemeldet worden.Sowohl Kanton als auch Bauernverband führen dies auf die rege
Impfung von Rindern und Schafen zurück.
Noch im Frühling blickten die Bauern und der Kanton mit Sorge auf den bevorstehenden Alpsommer. Zu diesem Zeitpunkt breitete sich gerade die Blauzungenkrankheit aus (der «Sarganserländer» berichtete). Ein für Rinder und Schafe tödliches Virus, das unter anderem zu Fehlgeburten und einer Reduzierung der Milchmenge führen kann. Experten rechneten über den Alpsommer hinweg mit einer verstärkten Ausbreitung des Virus – bedingt durch die hohen Temperaturen. Der kantonale Bauernverband sprach damals noch von «enormen finanziellen Schäden», die den Bauern drohten.
Mehrere Monate später, während diese mit ihren Kühen und Schafen wieder ins Tal zurückkehren, ist dieLage deutlich entspannter. Zum Glück für die Bauern waren die Befürchtungen vor einem Ausbruch umsonst. Seit der Alpsömmerung wurde zumindest im Sarganserland keine einzige Infektion mit der Blauzungenkrankheit mehr registriert.
Auffallend ruhig sei es auf den Alpen gewesen, sagt Ruedi Thomann, Präsident des kantonalen Bauernverbands. Ein erfreuliches Zeichen für den Pfäferser, das insbesondere einer Vorsichtsmassnahme zu verdanken sei: «Hätten wir unsere Kühe und Schafe nicht geimpft, wäre die Lage jetzt bestimmt eine andere.» Thomann ist froh, dass so viele Bäuerinnen und Bauern im Sarganserland die Impfempfehlungen von Kanton und Bauernverband ernst genommen haben. «Aber auch die Tierärztinnen und Tierärzte muss man loben. Sie haben die Impfstoffe fair und durchdacht verteilt.» Zwar sei es zu Engpässen gekommen, doch dank der guten Koordination habe man diese gut wegstecken können.
Gefahr bleibt weiterhin bestehen
Trotz allem bleibt Thomann vorsichtig. Die Infektionen könnten jederzeit zunehmen, sicher sei man vor der Blauzungenkrankheit noch nicht. Kantonstierarzt Lukas Kenel bestätigt dies. Gnitzen – kleine blutsaugende Mücken, die das Virus übertragen – sind auch im Herbst aktiv. So sind die Infektionen kürzlich über den Kanton verteilt deutlich angestiegen. Kenel zufolge muss in den kommenden Tagen und Wochen mit einer Zunahme der Meldungengerechnet werden. «Wie stark diese ausfällt, hängt aber auch von der Impfrate ab.»
Zwar können sich Rinder und Schafe trotz Impfung infizieren. Doch die Symptome der Blauzungenkrankheit fallen meist deutlich schwächer aus. «Dies kann zu Infektionen ohne oder mit leichten Erkrankung führen, die deshalb oft unbemerkt bleiben», sagt Kenel. Was sich letztlich auf die Melde-Statistiken auswirkt.
Weitere Seuchen auf dem Weg
Bäuerinnen und Bauern haben aber nicht nur mit der Blauzungenkrankheit zu kämpfen – zumindest noch nicht. Tierseuchen wie die Moderhinke oder Bovine Virusdiarrhoe sind seit Jahren in der Schweiz vorhanden.In Zukunft könnten aber auch noch die Afrikanische Schweinepest oder die Maul- und Klauenseuche hinzukommen. Für Kenel stellt sich nichtdie Frage, ob weitere Tierseuchen auftreten werden, sondern wann dies geschehen wird. «Sich darauf zu verlassen, dass wir in den letzten Jahr-zehnten von einer komfortablen Lage profitieren konnten, wäre trügerisch.» Umso mehr müsse die Landwirt-schaft ihre Tierbestände konsequent schützen.