So stark treffen Trumps Zölle
die regionalen Unternehmen

Der anfängliche Schock in der Wirtschaft legt sich allmählich. Seit zwei Wochen sind die neuen US-Zolltarifeauf Schweizer Exporte nun in Kraft. Das wirkt sich auch auf das Sarganserland und seine Unternehmen aus.

Spätestens seit dem 7. August steht die Schweizer Wirtschaft so stark unter Druck wie seit Langem nicht mehr. Der Grund: Bisher ist es dem Bundesrat nicht gelungen, die Zollwut von US-Präsident Donald Trump zu besänftigen. Mit 39 Prozent Zolltarif auf Exporte in die USA wird die Schweiz nun seit zwei Wochen besonders schroff behandelt. Bei keinem anderen Industriestaat fallen die Strafzölle so hoch aus. Lediglich Brasilien, Syrien, Laos und Myanmar werden noch härter bestraft.

Betroffen davon sind auch das Sarganserland und seine Unternehmen. Der «Sarganserländer» hat die Auswirkungen der Trump-Zölle auf die Region unter die Lupe genommen. Vier Unternehmen berichten, wie diese ihr Geschäft beeinflussen.

Straub Werke, Wangs

Seit Jahrzehnten pflegt das Wangser Unternehmen, das in der Rohrverbindungstechnologie tätig ist, Partnerschaften in den USA. «Sofern allfällige Massnahmen für uns finanziell tragbar sind, wollen wir diese unbedingt aufrechterhalten», sagt Sascha Radosevic, Head of Operations & Supply Chain. Rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Straub Werke AG gehen auf Exporte in die USA zurück. Dabei habe sich das Geschäft seit dem Inkrafttreten der Zölle kaum verändert. «Es ist noch zu früh, um zu erkennen, ob und welche Folgen die Zölle für uns haben», so Radosevic. Überlegungen für den Ernstfall hat man aber trotzdem angestellt: Damit das US-Geschäft nicht wegfällt, würde das Unternehmen Einbussen bei den Margen in Kauf nehmen und die Kostenteilung in der Lieferkette anpassen.

Elesta, Bad Ragaz

Für die EU und Liechtenstein gelten deutlich niedrigere Zölle (15 Prozent) als für die Schweiz. Zu spüren bekommt dies die Elesta GmbH in Bad Ragaz. «Gegenüber von US-Wettbewerbern ist die Preisdifferenz noch dramatischer», sagt Jürgen Steinhäuser, Leiter Vertrieb und Marketing. Somit ist der Hersteller von Sensorprodukten und elektromechanischen Komponenten einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt – bei den Preisen ist es kaum möglich, mit den Unternehmen in der EU und den USA mitzuhalten. «Kurzfristig rechnen wir mit milden Einbrüchen bei den Exporten. Einige unserer Produkte sind individuell für den Kunden konzipiert und nicht sofort austauschbar», sagt Steinhäuser. Mittel- und langfristig sei jedoch zu befürchten, dass das US-Geschäft wegbreche. «Ohne Deal wird es nicht gelingen, die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.» Bei Elesta bleibt man aber zuversichtlich. Der Wunsch, hochwertige Schweizer Produkte zu erschwinglichen Preisen einzukaufen, sei in den USA nach wie vor vorhanden.

Wyss & Partner, Wangs

Im Gegensatz zu den vorherigen Unternehmen ist der Wangser Vermögensverwalter und Anlagenberater nicht in der Industrie tätig. Die Wyss & Partner AG ist ein reines Dienstleistungsunternehmen und somit von denUS-Zöllen befreit. Einfluss auf das Geschäft haben diese aber trotzdem. Sollte es wegen des Zollstreits zu einem Einbruch der Aktienkurse kommen, würde dies den verwalteten Kundenvermögen zusetzen. «Und damit auch unserer Ertragsentwicklung», sagt Renato Beckmann, Mitglied der Geschäftsleitung. Deshalb setze man in den Aktienportfolios der Kunden auf Diversifikation und strebe ein angemessenes Chancen-Risiko-Verhältnis an. Zudem gibt Beckmann die Hoffnung auf einen Verhandlungserfolg des Bundesrats nicht auf. «Nur muss man da cleverer als bisher vorgehen. Nicht rechthaberisch und mit mehr Zugeständnissen an die USA.»

Inficon, Bad Ragaz

In einer Sonderrolle befindet sich die Bad Ragazer Inficon Holding AG. Zwar ist der US-Markt für den Zulieferer der Halbleiter- und Vakuumbeschichtungsindustrie besonders wichtig – rund ein Viertel des Gesamtumsatzes wird dort erzielt. Dennoch ist das Unternehmen nicht direkt von den US-Zöllen betroffen. Der Grund dafür ist, dass Inficon keine Lieferungen von der Schweiz in die USA durchführt. Produkte werden stattdessen aus Liechtenstein und Deutschland geliefert oder direkt in den USA produziert, was in Zukunft noch verstärkt werden soll. «Aufgrund der Zölle haben wir im zweiten Quartal geplante Produktionsverlagerungen stark beschleunigt», sagt Inficon-CEO Oliver Wyrsch. Trotzdem hofft er auf ein baldiges Abkommen zwischen der Schweiz und den USA. «Die hohen Zölle werden einen massiven Einfluss auf die Schweizer Industrie- und Gesamtwirtschaft haben.» Der CEO erhofft sich, dass durch diesen «Weckruf» mehr Freihandelsabkommen zustande kommen. So auch mit den USA.